Wo Heimat durch die Nadel sticht
Katharina Turger führt Geisenfelds Tracht in die Zukunft
Wenn am Festzugsfreitag die Vereine in Richtung Volksfestplatz durch Geisenfeld marschieren, sind sie nicht zu übersehen: die Trachtenträger des Hopfen- und Heimatmuseums. Seit 1988 gehören sie zum Umzug – und mit ihren farbenprächtigen Gewändern immer zu den Lieblingen des Publikums.
Seit zwei Jahren führt Katharina Turger die Abteilung. Die zweifache Mutter ist Maßschneidermeisterin und legte ihren Meisterabschluss in Tracht ab. Für sie ist es Freude und Verpflichtung zugleich, Tradition lebendig zu halten. Besonders stolz macht sie der Zusammenhalt: „Wenn was ansteht, dann packa alle mit o.“
Ihre Liebe zur Tracht hat Katharina von ihrer Mutter. Josefine Raith begann 1996 mit intensiver Forschungsarbeit und ließ das Hopfendirndl nach alten Vorlagen neu entstehen. Katharina übernahm nicht nur das Handwerk, sondern auch die Leidenschaft – und führt das Werk ihrer Mutter fort.
Heute zählt die Abteilung rund 80 Mitglieder, etwa 50 davon tragen aktiv Tracht. Schon die Jüngsten – kaum anderthalb Jahre alt – laufen beim Festzug mit, die Älteste ist stolze 85. „Schee sans beinand“, hören die Mitglieder oft von den Zuschauern. Das Publikum reagiere immer herzlich, sagt Turger: „Sie gfrein se, wenn’s uns sehn.“
Der Nachwuchs wächst: Weil derzeit viele Kinder mitmachen, denkt man sogar über eine eigene Jugend- oder Tanzgruppe nach.
Wer genauer hinschaut, entdeckt drei verschiedene Trachten:
das Spenzer Gwand, gefertigt nach alten Vorlagen,
die Holledauer Volkstracht (um 1850), mit steifem Mieder oder als Cassettel,
und das Hopfendirndl von 1952, in den Farben des Hopfens – Gold, Grün und Braun.
Dabei erzählt das Hopfendirndl vom Hopfen selbst – die in Gold gehaltene Schürze wie das Lupulin in der Blüte, der Rock Braun wie die Erde und das Oberteil Grün wie die Pflanze. Eine handgereihte Seidenschürze verleiht Schwung, Stickereien, der Einsatz im runden Bogen gehalten erinnern an die Dolde. Das Spenzer Gwand wirkt schlicht und edel, eng anliegend und fein gearbeitet. Prunkvoller kommt die Holledauer Tracht daher: weite plissierte Röcke und ein glänzendes Brusttuch prägen das Bild der Frauen. Die Männer tragen knöchellange Lederhosen, bunte Samtwesten, den Gevatterrock oder den kurzen Joppen mit Silberknöpfen und schwarze Faltenstiefel.
So wird bei jedem Festzug sichtbar, wie viel Geschichte und Handarbeit in jedem Gewand steckt.
Kürzlich beim historischen Umzug in Wolnzach waren die Geisenfelder ein Blickfang und natürlich auch beim Volksfestausmarsch in Geisenfeld, dann marschiert nicht nur Geschichte – sondern ein Stück gelebte Heimat..