Auf den alten Wegen des Glaubens
Sebastian Weber erinnert sich an die Begegnung mit Pater Tomy
Staubige Wege, betende Bauern, gläubige Landbevölkerung: Bis Ende des 18. Jahrhunderts war die Filialkirche „Maria Himmelfahrt“ in Obermettenbach Ziel zahlreicher Bittgänge und Wallfahrten. Besonders am 26. Juni, dem Fest der Heiligen Johannes und Paulus, pilgerten Gläubige aus Orten wie Engelbrechtsmünster, Lindkirchen, Mainburg, Sandelzhausen, Rudelzhausen, Steinbach, Oberempfenbach und Rottenegg. Sie baten um Schutz, gutes Wetter und eine gesegnete Ernte – so steht es in den Kirchenbüchern.
Heute sind es nicht mehr die Bauern, die pilgern – sondern ihr Pfarrer. Seit dem 1. September leitet Pater Tomy Alumkalkarot CST den Pfarreienverband Geroldshausen–Geisenhausen–Walkersbach–Gebrontshausen–Niederlauterbach–Oberlauterbach. Und er setzte gleich ein Zeichen: Er kam zu Fuß – 140 Kilometer von der Abtei Windberg in Niederbayern bis in die Dörfer seines neuen Wirkungsbereichs im Landkreis Pfaffenhofen.
Sein erster Halt: Obermettenbach, direkt an der Stadtgrenze von Geisenfeld. „Er ist vermutlich einer der wenigen – vielleicht der einzige – Priester, der seine neue Wirkungsstätte zu Fuß antritt“, sagt Kirchenpfleger Ralf Weber.
Zwei Wochen vor seiner Ankunft rief Pater Tomy bei Weber an und fragte, ob er auf seiner Pilgertour in Obermettenbach übernachten könne. „Kein Problem, dann bleiben Sie bei uns“, habe Weber gesagt und bot ihm das Gästezimmer an. Die Familie warf den Grill an, saß bis Mitternacht mit dem Gast zusammen – und sprach „über Gott und die Welt“.
Am nächsten Morgen setzte Pater Tomy seinen Weg fort. Von Obermettenbach über Rottenegg, Niederlauterbach und Oberlauterbach – wo er zufällig Pater Arul traf, der gerade sein Mobiliar aus dem Pfarrhof trug – pilgerte er nach Geroldshausen, seinem neuen Wohnort. Unterwegs besuchte er auch die Gotteshäuser seiner neuen Gemeinden.
Von Obermettenbach bis nach Gebrontshausen wurde er von Sebastian Weber begleitet. „Mich hat seine ruhige, interessierte und wissbegierige Art beeindruckt“, sagt dieser. Ein Moment blieb besonders hängen: „Auf den Flurwegen blieb er plötzlich stehen, zeigte auf eine gelb blühende Pflanze und fragte nach ihrem Namen.“ Wie oft gehen wir achtlos an Schönem vorbei – bis uns jemand darauf aufmerksam macht.
„Es war eine ungezwungene Wanderung, bei der wir über alles sprachen, was wir auf unserem Paradies Erde sehen, hören und riechen können“, erzählt Weber.
Auch andere Begegnungen machten Eindruck. „Viele waren überrascht, wie gut er Deutsch spricht“, berichtet Weber. „Manche haben Vorurteile, wenn sie sehen, dass jemand aus Indien kommt. Aber sobald sie ihn erleben, merken sie, wie offen und nahbar er ist.“
Für die Familie Weber steht fest: Pater Tomy wird mit seiner freundlichen und angenehmen Art die Herzen der Gläubigen erobern. „Seine Erkundung zu Fuß, voller Gottvertrauen – diese mutige und sorglose Art hat mich tief beeindruckt“, sagt Sebastian Weber.
Damit zeigt der neue Pfarrer, was ihm wichtig ist: Mut, nicht den einfachsten Weg zu wählen. Nähe, weil er den Kontakt zu Menschen sucht – auf der Straße, im Dorf, im Gespräch. Und Vertrauen, das ihn sorglos und zugleich stark macht.
„Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ich selbst mal pilgere“, sagt Ralf Weber. Und fügt hinzu: „Aber dann auch allein – raus aus der Komfortzone.“